Origami, eine neue Geräteklasse?
Von Tobias Topyla in der Kategorie "Hardware - Neuigkeiten" am 13.03.2006 veröffentlicht.
Microsoft, die weltweit Nummer eins in Sachen Software, schließt auf - zumindest...
...im hart umkämpften Hardware-Segment. Wer sich noch erinnern kann und Bill Gates "Der Weg nach vorn - Die Zukunft der Informationsgesellschaft" (Wilhelm Heyne Verlag, München, 1995) im Bücherregel stehen hat, der weiß vielleicht auf was wir anspielen, wenn wir den Begriff "Wallet-PC" einwerfen. Doch zunächst zurück in die Zukunft. Auf der CeBIT in Hannover, die am vergangegen Donnerstag (09. März) von Angela Merkel (In ihrer Funktion als Bundeskanzlerin) eröffnet wurde, hat Microsoft "die Bombe" platzen lassen. In Zeiten von Apples iPOD und der allgegenwärtigen Vernetzung der Menschen mit sog. "Handys" (Korrekter Terminus: Mobiltelefon), hat Microsoft sein zehn Jahre altes Konzept des Wallet-PCs wiederbelebt und real in Hard- & Software präsentiert. Unter dem Namen "Origami" hat Microsoft in Zusammenarbeit mit INTEL ein Flut von Klein-Computern gezeigt. Hersteller wie SAMSUNG sind auf den Zug aufgesprungen und präsentierten bereits erstaunlich kompakte und funktionale Geräte, die Annehmlichkeiten eines PDAs, eines Multimedia-Players sowie eines Mobiltelefons auf GSM- & UMTS-Basis, darstellen. Microsoft zufolge solle dies aber nicht alles sein. Man strebe an, dass diese Geräte, dank des Zugangs zum Internet, eine Interaktivität bieten sollen, die bisher ungeahnt erschien. So soll eine Schnittstelle geschaffen werden, die automatisiert Bezahlvorgänge übernimmt. Vergleichbar mit dem Kreditkartensystem sollen diese Geräte benutzt werden können - Kritiker sehen bereits hier jedoch erste Probleme, die sich durch die Bindung von Identität und Bezahlprozess ergeben. Sollten Microsofts Wallet-PCs tatsächlich zum Standard werden, so wäre ein Anonymer Bezahlvorgang, so wie bisher mit Banknoten (BAR), nicht mehr möglich. Abgesehen davon dürfte jedoch die Technik rund um das neue Akronym "UMPC" (Ultra-Mobile-Personal-Computer) durchaus interessant sein, ausgerüstet mit INTELs neuster Mobile-Plattformtechnik (!= XScale / v5TE - zu erwarten Pentium M) inklusive neuer 65 nm CPUs, sind extrem lange Akkumulatorlaufzeiten bei höchster Rechenleistung möglich. Aufbauend auf dem "LPIA"-Konzept (Low-Power-Intel-Architecture) dürften jene Origami sich von den technischen Daten her irgendwo in der großen Lücke zwischen PDAs und Subnotebooks einordnen. Die bisher gezeigten Geräte sind jedenfalls keineswegs die Winzlinge die man erwartet hat. Dank Zahlreicher Features wie der kompletten "15er Palette" (Im Allgemeinen IEEE 802.15.1 / 3a / 4 (Bluetooth / Wireless-USB / ZigBee), sowie der Implementation des kommenden ">= 100 MBit/s"-WLAN a.k.a. IEEE 802.11n (wir berichteten) - in Form eines noch priopitären Funk-Moduls, sind die Geräte eindeutig auf kabellose Verbindungen aller Art ausgerichtet (Inklusive IrDA) aber auch nicht gerade so klein, dass sie wie ein PDA in die Hemdtasche passen. In wie weit Steckerverbindung vorgesehen sind, ist im Moment noch nicht klar - diese dürften jedoch im Angesicht der tragbaren Allround-Funkgeräte obsolet erscheinen. Zur Abrundung dürfte ein GPS-Receiver zu erwarten sein, in wie weit jedoch diese Geräte mit Daten - z.B.: Kartenmaterial - gefüttert werden können, ist unklar. Microsoft sehe im Moment keine klar definierten Richtlinien vor, es ist also zu erwarten, dass es auch Geräte mit größerer Festplatten geben wird, dadurch dürfte das Gerätevolumen nochmals ansteigen, die im Moment in Hannover vorgestellten Geräte dürften hier noch nicht gezählt werden, da es sich dabei um Prototypen handelt. Die Geräte erinnern im Moment eher an kleinere Tablet-PCs, als an die Wallet-PCs, die Bill Gates vor elf Jahren in seinem "Blick in die Zukunft" vorgestellt hat. Unserer Ansicht nach sind die gezeigten Geräte zu klobig um eine Allgemeine Akzeptanz einzufahren, auch dürfte es fraglich sein, ob vernünftige Geräte unter der Ein-Kilo-Euro-Schallmauer erhältlich sein werden und ob alle Anwendungsmöglichkeiten in Europa greifen - im speziellen das vorgesehen Bezahl-System, dass u.a. auch mit RFIDs interagieren soll, sowie das Angebot von Online-Shops die sich vernünftig auf den kleinen TFTs darstellen lassen. Es wäre zumindest wünschenswert, wenn aus Microsfts Origami mehr als ein aufgeblasenes Smartphone wird - fraglich ist zudem in wie weit des maßgeblich von Microsoft gesponnen TCPA-Rahmens ein Einsatz von GNU/Linux anstatt des "Windows CE / Windows XP Media-Center-Edition"-Emporkömmlings möglich ist. Rein nüchtern betrachtet handelt es sich bei der offensichtlich neu geschaffenen Geräteklasse lediglich um Next-Generation PDAs, die eben - noch - ein wenig größer ausfallen, aber dafür eine Menge an Mehrwert bieten. Das gezeigte "Material" auf der diesjährigen CeBIT scheint zumindest vielversprechend.

Bild: "intel.com" - Origami, oder anders gesprochen UMPC, ein klassicher Lückenfüller.
Links zum Thema:
CeBIT.de
INTEL über UMPC
Microsoft Mobile
Sinngemäße Quelle:
Microsoft.com
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