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Take the long way home
Von Tobias Topyla in der Kategorie "Hardware - Prozessoren" am 11.06.2006 veröffentlicht.

Der Weg ist das Ziel - ein alt bekanntes Sprichwort von Konfuzius, dass bereits 500 Jahre...

...vor unserer Zeitrechnung aufgestellt wurde. Erstaunlich sind zumindest die Parallelen, die im Moment im Prozessorgeschäft gesehen werden können. INTEL - der Riese, die Macht - das schwerfällige und träge Monster hat sein Ziel erreicht. So ist zumindest der Jubel, der aus allen Sprachrohren der Computer-Medienlandschaft zu vernehmen ist - ungebrochene Euphorie: 65 nm Chips sind seit Wochen in Massen verfügbar und beflügeln derweil die Herzen der Overclocking-Enthusiasten im ungeahnten Tempo. Höchst sonderbar erscheint jedoch der nun aufkeimende Hype um den Pentium D 805 - ein alter Bekannter: "Der Smithfield" a.k.a. "INTELs erster DC-Versuch" wird im Moment mit entzücken von der IT-Internet-Regenbogenpresse gefeiert. Doch wieso eigentlich? Hatten wir nicht schon vor gut zwei Jahren die Möglichkeit für einen ähnlichen Geldbetrag eine 4 GHz mit NetBurst-Architektur zu fahren? Wir erinnern uns - der Sommer 2004: Unser liebenswerter Hitzkopf - Prescott – erscheint im LGA775-Gewand und alle haben Angst weil die Pins nun auf dem Motherboard sitzen. Eigentlich ja, ein guter Zeitpunkt für 4 GHz im Jahr 2004 - nur eben als Single-Core. Gut, da war wohl aber INTELs Budget für die Finanzierung solcher Artikel wohl ausgeschöpft oder liegt es doch an der Art, wie der THG es schafft sämtliche GIGA-Kids in seinen Bann zu ziehen? Bei solchen Textpassagen wird es einem als extrovertierter und mit Minderwertigkeitskomplexen behafteter Teenager doch warm ums kleine Herz: "Aber auch der Spiele-Fan kann auf der LAN-Party seine Wunderwaffe auspacken , ohne dass die anderen merken, dass hier ein Billigheimer im Gehäuse steckt - schließlich sorgen allein die Angaben der zweifach hohen Taktrate gehörig für Respekt [...]". Zumindest erscheint es höchst seltsam, dass solch ein Hype betrieben wird. Wir erinnern: Der 805er DC läuft zwar ohne weiteres bei 4 GHz (200 MHz * 20 statt 133,33 MHz * 20) - jedoch grillt der Smithfield dann bereits im Idle-Zustand mehr Energie durch seine Gatter, als ein vergleichbarer AMD-Prozessor im Last-Zustand - verkehrte Welt! Viel interessanter als solche "THG-Phänomne" sind derweil INTELs Bemühungen um "Verbesserung" zu sehen. Der Merom, Conroe und demnächst wohl auch Woodcrest - neue aber dennoch entfernte Ableger des Pentium PRO (P6) anno 1995 mit 21 * 10^6 Transistoren bei einer Schwellenspannung von unglaublichen 3,3 Volt und einer Wirkleistung von ordentlichen 40 Watt bei "massiven" 200 MHz - und das alles Superskalar und Out-of-Order - ja, diese Werte sorgten damals für Furore, nicht nur bei Geeks - geholfen hat es trotzdem nichts. Wie auch heute seine Erben Groopiestürme ernten, so übergibt sich der Inquirer - wie in diesem Artikel, schon seit Wochen und kocht über vor Spekulationsfreude. Denn, was INTEL in der letzten großen P6-Evolutionsstufe a.k.a. Pentium III - bekannt unter dem INTEL-Mikroprozessor-Ingenieur-Spitznamen "Tualatin" - zugunsten mehr Takt und der Aussicht auf 64 Bit (EM64T war bereits seit dem Itanium a.k.a. IA-64 bei Entwicklungsstart 1994 abzusehen) im Jahr 2000 aufgegeben hatte, wurde spätestens mit der Montara-Plattform, auch bekannt unter dem Marketingträchtigen Titel "Centrino" - als Dothan sehr erfolgreich wiederaufgewärmt. Nun ist es soweit, sämtliche Gimmicks des "Überfliegers" NetBurst wurden übernommen: Multicore SMP-Technik, LGA775, SSE3, SSE4, EM64T, EIST, XD-Bit sowie die Vanderpool-Virtualisierung, von der jeder spricht aber wohl kaum ein Artikelchen schreibenden Win32-DAU einsetzt. Verhökert wird der schnelle Rechenschieber vorerst als "Core 2" mit bis zu knapp 3 GHz (2933 MHz). Vorbei sind die Zeiten des Produktnamens Pentium - ebenfalls gibt es für Hyper-Threading kein wiedersehen - wahrlich ein "Jahr der großen Sprünge", wir hatten zu Beginn des Jahres bereits darüber gesprochen.



Bild: "hexus.net" - Erste unabhängige Conroe-Benchmarks.
Erstplatzierungen sind rot markiert - ein voller Sieg für INTEL.


Indes ist eine starke Preissenkung bei INTEL eingetreten, die bis Ende Juli ihren Showdown erreichen haben soll - so werden für einen Pentium 661 (Single-Core: 2048 KIB Puffer und 3600 MHz), der bisher gut 400,- US-Dollar gekostet hat, dann weniger als die Hälfte fällig sein - so zumindest eine vorab veröffentlichte aber nicht von INTEL bestätigte Preisliste, die wohl intern als ungefähre Roadmap dient. INTELs Ernsthaftigkeit in diesen belangen darf zumindest rationell begründet bezweifelt werden - macht es Sinn? Klar, man hat vor die Preise anzupassen um die Restbestände der "90 nm"-Gurken zu veräußern. So kommentierte der Kritiker der politischen Ökonomie Karl Marx ein solches Verhalten bereits vor 130 Jahren als unsinnig für den Kapitalhäufungsprozess: "Was gestern zweifelsohne gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion einer Elle Leinwand war, hört heute auf, es zu sein, wie der Geldbesitzer eifrigst beweist aus den Preisnotierungen verschiedener Nebenbuhler unsres Freundes. Zu seinem Unglück gibt es viele Weber auf der Welt". Mit einer Gegenreaktion von AMD dürfte zwar hypothetisch zu rechnen sein, aus der "BWL-Sicht" wäre aber eine Gegenreaktion und Preiskorrektur kognitiv nicht zu begründen. Weitaus "not looking good" sind Nachrichten, die derzeit nach dem Schema "AMD & ATI vs. INTEL & NVIDIA" verbreitet werden - so sieht man sich in der Ecke der 3D-Gerüchte-Produzenten derartig bedroht, dass die Nachricht, dass INTEL nun wieder verstärkt Grafikkarten produzieren werde, fast als Kriegserklärung aufgefasst wird. Eine wahrlich beschränkte Idiotie anzunehmen, ein Konkurrent könnte den Markt gefährden. Die Dynamik ist aus dem Grafikgeschäft schon lange raus. Übrig geblieben sind ATI und NVIDIA - unsere Wackelkandidaten deren Versetzung bereits "letztes Schuljahr" gefährdet war, sind nun komplett raus aus dem Spiel. Die Migration des Oligopols zum von uns prophezeiten Duopol ist eingetreten - ein völliges Versagen beider Unternehmen. S3 wie auch XGI haben die Veröffentlichungszyklen völlig verpasst - das ist aber eigentlich ein anderer Kriegsschauplatz. Nach der peinlichen Vorstellung des GMA9xx dürfte definitiv keinerlei Druck seitens INTEL auf ATI und NVIDIA ausgeübt werden, höchstens im Low-End-Segment, in dem die Luft zwar dünn, die Gewinnspannen aber riesig sind, da hier ganz andere Mengen an Chips ausgestoßen werden. Also doch ein Problem? Ich freue mich zumindest auf erste INTEL-Multi-Core-GPUs in 45 nm im kommenden bzw. darauffolgenden Jahr, während ATI und NVIDIA noch mit SLI und CF herumspielen.

Letztlich bleibt es spannend und der Endanwender freut sich - so sind bereits am Markt großflächig Leichtgewichte mit Dual-Core-Technik zu haben. Kurz: 2 kg Gewicht - 2 CPUs und die Power einen 1,- k€ DELL-PC in die Tasche stecken zu können ohne vier Stunden an die Steckdose zu müssen. Schöne neue Welt [...] - zum Glück gibt es da noch AMD, damit INTEL aus dieser "Ausgangsleistung" weitaus mehr macht bzw. sich genötigt fühlt es zu tun. Die Texaner versprechen sich nämlich von ihrer neusten Entwicklung eine "Zunehmende Effizienz", so zumindest die c't in ihrer aktuellen Ausgabe auf Seite 20. AMD hat mit "DICE" (Dynamic-Independent-Core-Engagement) einen Mechanismus in der Entstehung, der komplett und blitzschnell je nach Anforderung taktet und somit keinerlei statischen Takt mehr für die CPU besitzt. Jener Trick, den es eigentlich schon so seit Jahren gibt, soll jedoch in der neusten Evolutionsstufe so effektiv arbeiten, dass man ohne weiteres Quad-Core-Prozessoren realisieren kann, aber dennoch nicht mehr Energie verbrät als es im Moment der Fall wäre - "halted clock cylces" ist hier das Zauberwort. Wir wären bereits mit einem DIE-Shirnk auf 65 nm von AMD hoch zufrieden, im Moment sieht es nämlich stark danach aus, dass INTEL endgültig AMD die Performancekrone abjagt, nicht nur im totalen Leistungssegment, sondern auch in der Performance pro Watt Disziplin. Traurig wäre es auf jeden Fall, zumindest aus sich des AMD-Fanboys, der sein Unternehmen gefährdet sieht. Nach der APPLE-INTEL-Kollaboration dürfte mit einem Engagement seitens IBM - trotz der Massenproduktion für Spielekonsolen - im PC-Segment zumindest nicht zu rechnen sein. Traurige neue Welt? Es liegt nun an AMD - möge die Macht mir Dir sein "my holy Texas-Cowboy-Engineer".



 

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