Liebesgrüße von SCO
Von Tobias Topyla in der Kategorie "Software - Urheberrecht" am 24.07.2006 veröffentlicht.
Nimmt der Wahnsinn eigentlich irgendwann ein Ende? Und wer zur Hölle muss bei SCO sterben, damit es endgültig...
...aus und vorbei ist? Wer sich erinnern kann, der weiß, dass das beginnende Sommerloch 2003 bereits im Frühjahr von einer Nachricht begleitet wurde, die schier unfassbar und vor allem unverschämt skandlös war. Wir berichteten damals noch im jungendlichen Leichtsinn und vermuteten anfangs noch eine Kooperation zwischen SCO und Microsoft - doch die Sache sollte sich zum absoluten Gang nach Canossa für einzig und alleine SCO entwickeln. Der heute im Linux-Kernel enthaltene Code solle SCO nach zum großen Teil gestohlen worden sein. Die Ansprüche könnten deshalb berechtigt sein, da SCO nach der Übernahme von CALDERA sämtliche Rechte an den Methoden und Konzepten des Betriebssystems UNIX, sowie einen Anspruch auf den Code aller Lizenznehmer von AT&T / USL hat. SCO war deshalb auch sehr schnell von der Partie um die zahlungskräftigen Unternehmen über die Winkeladvokaten um viel Geld zu bitten, ansonsten würde man sich gezwungen sehen entsprechende Schritte einzuleiten gegen jene Unternehmen, die Betriebssysteme auf Basis des Linux-Kernels anbieten oder auch im großen Stil einsetzen. Es kam wie es kommen musste - SCO entfachte eine Schlammschlacht ungewohnten Ausmaßes, die Ende des Jahres 2004 ihren Höhepunkt erreichte, als es danach aussah, dass SCO so langsam die finanziellen Mittel ausgingen um den "totalen Krieg" gegen jeden und alles zu führen. Die Geschichte schien fast wieder vergessen und abgebbt. Doch war das schon alles? Nein, jüngsten Berichten nach, soll es wieder am Brodeln sein. Das FORBES Magazin berichtet über die neusten Vorwürfe von SCO, denen es nach IBM tatsächlich gelungen sein soll, wichtiges Beweismaterial zum "Code-Klau" vernichtet zu haben. Die Beweise hierfür stützen sich auf einen einzigen ehemaligen IBM-Entwickler, der im Ermittlungsverfahren zu Protokoll gegeben hat, dass nach der Veröffentlichung der Anklage fragwürdige Versionen von AIX und Dynix restlos gelöscht worden seien. Es geht schließlich um eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz, die SCO von IBM einfordert. Eine Summe die IBM locker bezahlen könnte, es aber aus Marketinggründen gerne vermeiden würde. Doch sind die Vorwürfe berechtigt?
Eine vollständige chronologische Auflistung aller Nachrichtenartikel zum Dauerbrenner SCO vs. Linux findet sich bei heise.de - eine überaus interessante Ansammlung der letzten drei Jahre, die einen tiefen Einblick in die Geschehenisse gibt.
Zumindest scheint eines sicher: Die an Entertainment grenzende Auseinandersetzung zwischen SCO und IBM um den angeblich in Linux-Kernel verwendeten UNIX System V Code, dürfte noch eine Weile die Schlagzeilen füllen, da in den USA Gerichtsprozesse bekanntlich auch gerne länger dauern können.
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