Intro
In diesem Report möchten wir die LCD-Technik mal etwas genauer vorstellen. Immerhin gebrauchen wir sie mittlerweile an so gut wie jedem tragbaren elektronischen Gerät, dass irgendetwas anzuzeigen hat. Die Anzeigetechnik kommt mittlerweile so gut wie überall zum Einsatz: Egal ob Uhr, Mobiltelefon, Digitalkamera, der Monitor selbst oder eben in Eurem Computer direkt als LCD im Gehäuse zur Anzeige von dynamischen Werten. Wir sind umgeben von LCDs und das fast überall! Kein Wunder - Im Zeitalter der Informations- und Kommunikations-Technologie ist die Anzeige auf kleinem Raum von Texten, Zahlenwerten und Grafiken aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken - alphanumerische Symbole begleiten uns in unserem Leben auf Schritt und Tritt. Dabei stellen die unterschiedlichsten Umgebungsbedingungen, unter denen solche LCDs eingesetzt werden, sehr hohe Anforderungen an Lesbarkeit und Zuverlässigkeit des Geräts. Eben diese Zuverlässigkeit sowie die hohe Lebensdauer und ein niedriger Energiebedarf zeichnen diese Technologie aus und erklären ihren weltweiten Erfolg in vielen Anwendungsbereichen. Daher möchten wir Euch in diesem Report diese wichtige Technologie genauer erklären, viel Spaß beim lesen.
Bild: (c) "merck.co.kr" - Der Rohstoff: Der moderne Flüssigkristall, synthetisch hergestellt.
Details
Der Flüssigkristallbildschirm (eng.: "LCD" = Liquid-Crystal-Display) ist ein Anzeigeelement, bei dem spezielle Flüssigkristalle genutzt werden, welche die Richtung von Licht beeinflussen können. Flüssigkristalle sind dabei winzige organische Verbindungen, die sowohl die Eigenschaften einer Flüssigkeit als auch eines Festkörpern aufweisen. Wie wir hoffentlich aus dem Schulunterricht noch wissen, gibt es nur drei Formen von Stoffen: Die Feste, die Flüssige und die Gasförmige. Flüssigkristall-Bildschirme stellen die zurzeit dominante Flachbildschirm-Technologie dar, auch wenn andere Techniken teils große Vorteile aufweisen, hat sich LCD durchgesetzt. Die LCD-Technik ist praktisch erste Wahl: Denn, sehr gute Lesbarkeit wird auch unter schwierigen Bedingungen; wie wechselnden Lichtverhältnissen, seitlicher Blickrichtung oder größerer Entfernung erreicht. Wobei auch hier der Herstellungsaufwand entschiedet, ob ein LCD eben mehr oder weniger dieser Eigenschaften aufweist. Seine Anzeige ist demnach also nahezu blendfrei und reflektiert das drauf fallende Licht. Dadurch erreicht die Lesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung, unter optimalen Bedingungen, sogar einen erhöhten Grad. Wie wir sehen ist das ganze grob betrachtet eine sehr feine Sache, wenn man nun noch bedenkt, dass nur wenige Mikrowatt pro Quadratzentimeter zur Darstellung benötigt werden, so verwundert einen der Siegeszug dieser Technologie so gar nicht. Angefangen von Uhren und Taschenrechnen mit 7-Segment-Anzeige bis zu heutigen TFT-Bildschirmen mit einer Bilddiagonale von über eine Meter möchten wir die Entwicklung und die Funktionsweise darlegen.
Bild: (c) "merck.co.kr" - Die ersten LCDs benötigten noch
Anfangs einen riesigen Controller dahinter. Erst durch die
Entwicklung von besseren und kleineren Controller-ICs,
konnte man LCD-Geräte miniaturiesieren.
Nun, ein einfaches Flüssigkristall-Anzeige-Element - welches u.A. im unten aufgeführten Computer-Bay-Insert-LCD von Matrix Orbital zum Einsatz kommt - besteht Grundlegend aus der "Schadt-&-Helfrich-Zelle", so wie alle anderen LCDs. Diese Schadt-&-Helfrich-Zelle wurde im März 1971 von den beiden deutschen Physikern Dr. Martin Schadt und Professor Wolfgang Helfrich erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Schadt-&-Helfrich-Zelle stellt dabei die am häufigsten verwendete LCD-Technik dar. Der elektrooptischen Effekt wird durch die erwähnten kristallinen Flüssigkeiten erreicht, welche bereits in Ihrer Rohform im Jahr 1902 vom Chemie-Giganten MERCK entwickelt wurden. Simpel gesprochen handelt es sich beim LCD um ein von Spannung gesteuertes Lichtventil - welches Licht freigibt oder sperrt - einfach oder?
Bild: (c) "merck.co.kr" - Flüssigkristalle: Seit 1902 auf dem Markt. Erst
69 Jahre später sollten sie ihren wahren Einsatzzweck finden.
Dabei stellt das LCD eine Entwicklung aus dem Halbleiter-Boom Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre dar, ohne diesen wäre es nämlich erst gar nicht so weit gekommen. Durch die neuen Möglichkeiten in der Elektrotechnik wurde George Heilmeier, einer jener bewundernswerten All-Round-Genies, bereits Mitte der 1960er Jahre von der "RCA" (Radio Corporation of America) - dem Elektro-Monopol aus "GE" (General Electric) und "AT&T" (American Telephone and Telegraph) - beauftragt an einer neuen Technik für Anzeigeelemente zur arbeiten, vornehmlich unter Einsatz von Halbleitern. 1968 war es dann soweit, man hatte mit "DSM" (Dynamic-Scattering-Mode) eine Technik in der Hand, welche die ersten LCDs erlaubte. Dabei verwendete man das Prinzip der Lichtstreuung, dass bereits 1963 von Richard Willams entdeckt wurde. Heilmeier hatte dieses Prinzip in der Anwendung perfektioniert und für die Anzeige von Zahlen verwendet. LCDs auf dieser DSM-Basis fanden jedoch wenig Absatz und das trotz bereits 1969 angelaufener Auslieferung seiner Geräte. Problem war, dass Heilmeiers-DSM-Displays, die er in seiner eigenen Firma "Optel" fertigen lies, grundlegend zwei Probleme hatten. Zum einem wäre die nötige Betriebstemperatur zu nennen, diese lag bei immerhin min. 80 °C. Alleine das Heizelement für ein DIN-A4 großes Display, benötigte damals so viel Energie, wie heute ein ausgewachsener Röhrenfernseher. Zum anderen traten wegen dem noch nicht komplett ausgefeiltem Ladungstransport in dem Display selbst elektrochemische Reaktionen statt, diese führten allmählich zur Zersetzung beteiligter Substanzen und somit entgegen der Funktionsweise des LCDs. Die DSM-Geräte waren einfach gesagt nicht dazu fähig überall verwendet zu werden und ersetzten die vorhandene Technik mit mechanischen Segment-Anzeigen - wie man sie noch an manchen Flughäfen und Bahnhöfen anfindet - nicht.
>Bild: (c) "Freie Universität Berlin" - Professor Wolfgang Helfrich, damals noch Doktor,
bei der Entwicklung etwa Anfang der 1970er Jahre am Institut für Theoretische Physik.
Erst die erwähnten Herren Schadt und Helfrich brachten 1971 dann völlige Heilung. Ihre Vorstellung eines LCD war wesentlich günstiger und kleiner und folglich ohne Heizelement und damit genügsam in den Energie-Anforderungen und vor allem von längerer Lebensdauer. Alles Gründe, die zum Erfolg verhalfen. Deren, in dem Sinne "erste richtige LCDs", bestanden aus zwei Glasplatten, die mit einer transparenten ITO-Elekrodenschicht überzogen waren. Dazwischen befanden sich Flüssigkristalle in einer nur max. 20 nm dünnen Schicht - Im Vergleich: Heutige Prozessorhersteller bauen Transistoren in einer Größe von 90 nm und das ist bereits sehr klein. Dabei spielte ITO (Indiumzinnoxid) in der Elektrodenschicht eine wichtige Rolle. Dieser Stoff ist ein Mischoxid aus Indiumoxid und Zinnoxid. Seine besondere Eigenschaft ist, dass er transparent und dennoch halbleitend ist. Verwendung findet er in Solar-Zellen und in Leuchtdioden (LED: "Light-Ermitting-Diode") aus organischem Material. Für die Herstellung von transparenten Kontakten ist er die erste Wahl, sein einziger Nachteil bleibt die sehr teure Herstellung, weshalb auch Geräte die besonders viel ITO benötigen nach wie vor keine Cent-Ware sind wie TFT-LCDs oder Solar-Zellen.
Zurück zur Schadt-&-Helfrich-Zelle: Bei einfachen LCDs, wie z.B.: Bei dem einer simplen Digital-Uhr, wird ein 7-Segment-Block verwendet um die Zahlen darzustellen. Dabei stellt einer dieser Blöcke jeweils eine Zahl da - werden alle Segmente des Blocks angesprochen, so wird die Zahl acht dargestellt, die aus sieben Segmenten besteht. Aus diesen sieben lassen sich wiederum die restlichen Zahlen von 0. bis 9. darstellen und somit der komplette, von uns verwendete, Zahlenrahmen abdecken. Die einzelnen Segmente werden dabei von Transistoren angesteuert, wobei man von "Elektrodenflächen" spricht wenn die eben besprochenen einzelnen Segmente gemeint sind.
Rein theoretisch kann ein solches Display aus beliebig vielen solcher Zellen bestehen. Bei einem TFT-Monitor (Auch "Aktiv-Matrix-Displays" genannt), so wie wir sie bei Notebooks und sonstigen "Farb-Geräten" kennen, stellen drei Zellen, gerade mal einen Pixel dar! Dabei ist jede Zelle für je eine der Grund-Farben verantwortlich, auch "RGB"-Zellen (Rot-Grün-Blau) genannt. Aus diesen drei Grund-Farben lassen sich wiederum alle anderen Farben mischen, in dem man die Spannung und somit die Intensität der Farbe ändert, ähnlich dem Wassermalkasten Prinzip. Wie man Farben mischt, lernt man schon im Kindergarten: z.B.: So ergeben die Farben rot und grün die Farbe gelb usw. - Wobei viele Grafiker immer noch der Meinung sind, dass TFTs nicht 100 prozentig farbecht sind. Man kann jedoch aufgrund der objektiven Wahrnehmung dennoch guten Gewissens sagen, dass vor allem hochwertige Geräte mittlerweile, rein vom Farb- und Wiedergabe-Spektrum, dem Röhrenbildschirm in fast nichts nachstehen. Wie wir sehen war der Schritt von der simplen Zahlenanzeige bis zur hochkomplexen Farb-Anzeige mit einigen Millionen von Zellen nicht sehr weit - es musste lediglich der Fertigungsprozess so miniaturisiert werden und die Ansteuerungselektronik so verfeinert werden, bis es möglich war, bewegte Bilder in Farbe auf dem Display erscheinen zu lassen. Wobei noch gesagt werden sollte, dass es Grundsätzlich drei verschiedene Geometrie-Stufen gibt, wie die einzelnen Pixel-Zellen angeordnet sind. "Triangular" ist dabei die am häufigsten verwendete Anordnungs-Form der Pixel, wobei dies, je nach Größe des Display vom Hersteller verändert werden kann.
Bild: Sichtbar hier ein Schaubild von uns mit einer tausend Vielfachen-Vergrößerung der einzelnen Pixel-Zellen in den einzelnen Pixel-Geometrien.
Eine LCD-Entwicklungsstufe, die es nach den Segment-LCDs aber noch vor den TFTs gab, sind die so genannten Pixel-LCDs. Dabei werden statt Segmenten einzelne sehr kleine Elektrodenflächen als Pixel dargestellt. Verwendung fand diese Technik in den ersten Notebooks, späteren Mobiltelefonen oder z.B.: vielen der heutigen MP3-Player. So richtig in Schwung kam diese Art der LCDs aber erst Anfang der 1990er, denn die zur Ansteuerung der einzelnen Pixel benötigte Elektronik ist je nach Menge der Pixel doch sehr aufwendig und konnte im großen Stil und im Vergleich zum TFT erst dann zum "kleinem" Geld angeboten werden, als der TFT-Markt längst erobert war. Um diese günstigen LCDs aufzuwerten wird oft eine bunte Hintergrundbeleuchtung verwendet, sowie eine Farbfolie, welche uns die Pixel in einer bestimmten Farbe wahrnehmen lässt. Es können jedoch bei dieser Art von LCDs nur maximal zwei Farben dargestellt werden. Die Farbe des Hintergrunds und die des Pixels. Das man damit aber dennoch viele schöne Effekte für simple Aufgaben erreichen kann, werden wir später anhand des MX4 von Matrix Orbital sehen.
Bild: Ein 48 * 8 Pixel-LCD im Full-Load-Modus, alle verfügbaren Pixel sperren das Licht.
Bild: Nur wenige Pixel sperren das Licht, ein Muster entsteht.
Gut, aber wie geschieht es denn, dass wir die Pixel so kontrastreich und scharf sehen können? Simpel gesagt drehen sich intern die Flüssigkristalle je nach angelegter Spannung in einem Winkel von etwa 90 ° und lassen das entstehende Licht durchscheinen (Hintergrund zu sehen) oder eben nicht (dunkle oder farbige Segmente bzw. Pixel). Durch die Verwendung von Polarisationsfiltern wird dieser Effekt darüber hinaus erhöht. Ähnlich mit dem Prinzip zu Vergleichen, wenn Ihr einen Gegenstand vor eine Glühbirne hält und diesen je nach einem Euch gegebenen Stromimpuls entweder vor oder neben die Glühbirne richtet, so dass das Licht sichtbar ist oder nicht. Dabei kann als Lichtquelle im LCD ein Spiegel hinter der letzten Glasplatte für Naturlicht oder eine Hintergrundbeleuchtung verwendet werden. Um dies am Besten nachzuvollziehen, solltet Ihr mal versuchen etwas auf einem einfachen LCD (z.B.: Game Boy Classic) zu erkennen, mal mit und mal ohne Licht. Das Prinzip sollte einem dann schnell klar werden. Bei allen modernen Bauarten von LCDs, wird eine Hintergrundbeleuchtung verwendet. Vorteil dieser Methode ist, dass man selbst im dunklen das LCD ablesen kann und dieses darüber hinaus, durch die gleichmäßige Beleuchtung der Flüssigkristalle einen besseren Kontrast als bei Naturlicht bietet.
Bild: (c) "cosh.ag" - LCDs wie Ihr sie wahrscheinlich am
ehesten haben wollt - als PC-Bay-Insert-Pixel-LCD
Der größte Vorteil eines LCDs als Computermonitor ist der, dass dieser sehr platzsparend im Vergleich zu einem Röhrengerät ist. Darüber hinaus verbraucht er wesentlich weniger Energie. Vergleicht man selbst noch einen sehr hochwertigen Röhrenbildschirm, so ist der TFT immer noch wesentlich Augenschonender und ermöglicht längeres und erspannteres Arbeiten als mit einem Röhrenmonitor - spätestens hier sollten einem die Alarmglocken angehen, denn: Ergonomie am und um den Computer und somit seine Gesundheit, sollte einem wichtiger, als die neuste Grafikkarte sein. Kein Wunder also, dass TFTs mittlerweile die Röhrengeräte, was Absatzzahlen angeht, verdrängt haben (wir berichteten).
Bild: (c) "merck.co.kr" - Auf dem Bild, die von Schadt & Helfrich ersten
überhaupt hergestellten LCDs. Selbst mit starkem Naturlicht,
kaum vom Hintergrund zu unterscheiden. Dieses Manko wurde
später mit Filtern und Spiegeln bzw. einer Beleuchtung ausgebessert.
1971? War da nicht noch etwas wichtiges?
1971 war nicht nur das Jahr des LCDs sondern auch zugleich das der Mikroprozessoren. Genauer gesagt, dass der "Single-Chip-CPU". Als Intel (Integrated Electronics) im Herbst 1971, gut ein halbes Jahr nach der Vorstellung des LCDs, den Intel 4004 vorstellte, war es vollbracht. Der Erste Mikroprozessor in einer Einheit war endlich da und somit der lang ersehnte "Computer auf einem einzigen Chip": 4 Bit Datenbreite, ein Takt von 500 bis 740 kHz (Dies entspricht 0,5 [...] 0,74 MHz) und 2.300 MOS-Transistoren (Metal-Oxide-Semiconductor) sollten bis 1973 (Intel 8008) das Maß der Dinge bleiben. Verwendung fand der Intel 4004 in vielen Taschenrechnern sowie als Steuerbaustein für elektronische Geräte wie der Super-Markt-Kasse. Leider fand der Chip zunächst keine Verwendung in "richtigen" Computern, da er überwiegend zögerlich angenommen wurde und man ihm nur simple Steuer- und Regelintelligenz für Maschinen und Anlagen zutraute. Dies lag einfach darin, dass einfach niemand an die Leistung des "Wunders" glaubte. Immerhin hatte dieser winzige Chip mit gerade 16 Pins, die Leistung eines ENIACS von 1946, dem ersten Röhren-Rechner, der damals noch einen riesigen Raum füllte. Für damalige Verhältnisse ein unglaublicher Gedanke, dass der 4004 dies leisten sollte. Damit die Industrie-Ingenieure jedoch so langsam neue Anwendungszwecke für den Intel 4004 entdecken konnten, gab ihnen Intel das Entwicklungs- und Simulationswerkzeug "Intellec 4" an die Hand. Mit dieser elektronischen "Blue Box" machte Intel zeitweilig mehr Umsatz als mit Mikroprozessoren. Der 4004 war aus Sicht des Intel Managements jedoch mit einem großen Nachteil behaftet, der erst später mit viel Glück gelöst wurde: Er war im Auftrag und auf Kosten des japanischen Rechenmaschinen-Herstellers "Busicom" entwickelt worden, so das die kompletten Rechte auch bei Busicom lagen. Da aber der "Computer auf einem einzigen Chip" mehr konnte, als nur Rechenaufgaben lösen, entschloss sich Intel schon im November 1971, von Busicom die Rechte am Design des ersten Mikroprozessors der Welt für nur 60.000 Dollar zurückzukaufen, bevor Busicom merkte, was man da eigentlich in der Tasche hatte. Wäre damals der Aufkauf der Design-Rechte nicht zustande gekommen, so wäre Intel wahrscheinlich bereits in den Kinderschuhen am Urheberrecht gescheitert.
Bild: (c) "intel.com" - Der Grundstein, der Intel 4004.
Kommen wir nun aber auf das eigentliche Highlight des Reports zu sprechen: Computer-Bay-LCDs von Matrix Orbital. Dieses soll als dynamisches Informations-Ausgabegerät unabhängig vom Computermonitor Statusmeldungen durchgeben sowie Steueraufgaben im Betriebssystem übernehmen. Der Kanadische Hersteller "Matrix Orbital" vereint mit dem MX4 viele Vorteile des Vorgängers MX2 ohne deren Nachteile zu übernehmen. Wir erinnern uns - Spätsommer 2003, wir berichten über das bis dahin in Deutschland völlig unbekannte Matrix Orbital MX2 Computer-Bay-LCD. Das Gerät hatte uns damals, wie auch heute, hellauf begeistert. Kaum ein Jahr später stellt Matrix Orbital das MX4 fertig - wird es jedoch ein würdiger Nachfolger? Wir freuen uns Euch nun diese Frage beantworten zu können.
Bild: "cosh.ag" - Einfach nur größer und stärker? Rein äußerlich schon.
Fälschlicherweise könnte an diesem Punkt angenommen werden, dass das MX4 eine völlige Neuentwicklung gegenüber dem MX2 darstellt. Normalerweise ist dem auch so, wenn ein neues Produkt innerhalb eines Unternehmens erscheint und eine höhere Modellnummer als das Vorgängerprodukt trägt. Bei Matrix Orbital sieht es jedoch, was das angeht, ein wenig anders aus. Die Zahl die hinter dem "MX" steht, ist lediglich ein Merkmal dafür, wie viele Zeilen das LC-Display letztendlich hat. Folglich hat das MX4 auch vier gegenüber zwei Zeilen beim Vorgänger MX2. Augenscheinlich sieht das ganze also nur nach einer Vergrößerung des LC-Displays und einer Verfrachtung in ein doppelt so großes Gehäuse (2 * 5.25") aus. Matrix Orbital hat es jedoch dabei nicht belassen und hat sich zum Ziel gesetzt, so erscheint es uns jedenfalls, die wenigen Mängel, die das MX2 hatte, auszuräumen. Das Gerät an sich sollte also wesentlich attraktiver gemacht werden und eine Art Deluxe-Edition darstellen.
Bild: Stundenlange Bastelaktionen samt Platinen-Studium im Keller, sind nicht mehr
nötig. Wir stellen Euch das aktuelle Matrix Orbital Highlight vor: MX4.
Grundsätzlich sollte man wissen, dass diese Art von "Fertig-Einbau-LCDs", eine neuartige Erscheinung ist. Vor wenigen Jahren stellte ein LCD in einem PC noch etwas Außergewöhnliches und Besonderes dar. Ein genaues Studium der Platine, samt stundenlanger Bastelarbeit, war unerlässlich um das LCD in Betrieb nehmen zu können. Anleitungen waren rar und auch nur für wenige Controller und LCDs verfügbar. Meistens musste man dann noch Controller-Platinen mit neuen Bauteilen bestücken, die man vorher durch Fehler beim löten zerstört hatte. Zusätzlich kam noch der Bau eines Gehäuses hinzu, in dem das LCD platz finden sollte, unter Umständen noch eine Hintergrundbeleuchtung usw. - insgesamt eine sehr aufwendige Sache, die ewig dauerte, aber einen mit einem sehr schönen Ergebnis beglückte. In den letzten Jahren wurde jedoch vermehrt durch kommerzielle Lösungen einem jedoch diese Arbeit abgenommen - jedenfalls war es möglich sich ein solches LCD zuzulegen, ohne Tüfteln zu müssen. Teilweise gibt es schon für nur 25,- € einbaufertige LPT-Port-LCDs mit einer Zeile ohne Beleuchtung und Gehäuse. Sinnvoll für Leute, die sich einfach nur den aktuellen MP3-Tag, oder sonst etwas anzeigen lassen wollten das nicht viel Platz beansprucht.
Bild: "monitor.co.at" - Der ALR Revolution 6X6 von Advanced-Logic-Research, ein "6 * 200 MHz"
Intel Pentium-PRO CPU-Monster anno 1997 bereits mit LCD statt Monitor.
LCDs in Computern? Ist doch nichts neues!
Das stimmt. Vor allem auf Server-Hosts, die praktisch keine Ausgabegeräte in dem Sinne benötigen, da kein User rund um die Uhr an der Maschine sitzt. Jene Rechner haben oft kleine LCDs um dem Techniker beim Check-Rundgang zu signalisieren, dass alles klar ist. Darüber hinaus, lassen sich auch über diese LCDs ganze Befehlsketten eingeben - egal ob über Tasten, oder über einen Touch-Mechanismus. Für Windows-User unvorstellbar, durch Text-Eingaben einen Computer zu steuern, unter GNU/Linux und Unix jedoch durchaus möglich und seit je her gang und gebe. Für den Kommandozeileninterpreter "bash" (bourne again shell) gibt es sogar Programme, die auf einem LCD in Echtzeit wiedergeben, was gerade eingetippt wurde (Siehe ALR Revolution 6X6). Eine arbeit ohne Monitor ist somit, in der Server-Umgebung, für einfache Aufgaben, durchaus möglich. In unserem Fall, dem MX4 bzw. auch allen anderen PC-Bay-LCDs als USB-Version, ist es nicht möglich - uns jedenfalls - eine Abfrage unter GNU/Linux und Unix zu ermöglichen. Vielleicht ist jemand von Euch Lesern da draußen, der vielleicht weiß, wie man genau Die bash-Ausgabe mit den I/O-Kanälen stdin(0), stdout(1) & stderr(2), auf das MX2/4 legt. Wir dachten zunächst an eine Zwischenablage in einer Text-Datei per "cat" mit einer darauf folgenden Abfrage vom MX2/4. Ideen können gerne per E-Mail an uns abgegeben werden.
Bild: (c) "markl.f9.co.uk" - Der ALR Revolution 6X6 im Betrieb, sogar mit einer GUI für den Touch-Mechanismus!
GNU/Linux? Was ist das noch mal? Freie-Software?
So, oder so ähnlich denkt man, ganz offensichtlich, bei Matrix Orbital. Anders ist die derzeitige Software-Politik nicht nachzuvollziehen. Alternative Betriebssysteme sind auch wortwörtlich das große Schlagwort, dass die Matrix Orbital Produkte unserer Meinung nach erschlägt. Zwar bilden User, die andere Betriebssysteme als die aus dem Hause Microsoft einsetzen, immer noch eine Minderheit, jedoch sollte der Anbieter eines offensichtlichen Geek-Tools eine fertig vor konfigurierte GNU/Linux-Software mit auf die CD-ROM packen, oder wenigstens ein entsprechendes Tutorial auf seine Seiten stellen. Wenn man dann noch solche Aussagen im Matrix Orbital-Forum lesen muss, die der Entwicklungs-Manager abgibt,
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"[...] we have started looking into getting some one to write a Linux program for us. It's going to be closed source, I'm sure we will catch allot of flack for that one, but I belive it will be the best Linux LCD software when it's done."
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dann wird es einem MX2/4-Besitzer ganz seltsam - zumindest jenen die primär mit GNU/Linux arbeiten und davon auch überzeugt sind. Die Nachricht wurde übrigens im Herbst 2002 veröffentlicht, bis heute ist nicht wirklich etwas passiert - traurig. Glücklicherweise hat ein engagierter Benutzer aus dem selben Forum eine kleine Anleitung veröffentlicht. Basierend auf dem Open-Source-Projekt LCDproc, welches unter GNU/Linux und der xBSD-Reihe läuft. Einzig Probleme mit dem Keypad und den im späteren Verlauf des Reports erwähnten GPO-Ports des Fan-Controllers, machen eine gescheite Nutzung des LCDs unmöglich. Wer etwas anderes als Windows fährt, wird jedenfalls mit der Matrix Orbital-Lösung nicht ganz glücklich, andere LCDs sind hier eher von Vorteil, da hier die sowieso nicht unterstützten Features nicht vorhanden sind und somit das Gerät nur günstiger machen können.